In Österreich ist die Gründung privater Statutschulen gesetzlich verankert. Diese „Schulen ohne Schulartbezeichnung“ bieten pädagogische Vielfalt, doch finanziell kämpfen sie – meist als gemeinnützige Vereine organisiert – ums Überleben. Der Grund dafür ist eine tiefgreifende systemische Ungerechtigkeit in der Bildungsfinanzierung.
Das ausschlaggebende Kriterium für staatliche Unterstützung ist in Österreich nicht die pädagogische Qualität, sondern die Religionszugehörigkeit. Während der Staat bei konfessionellen Privatschulen die gesamten Personalkosten übernimmt, gehen nichtkonfessionelle Schulen fast leer aus. Ob katholisch, muslimisch, buddhistisch oder Freikirche: Sobald ein religiöser Träger dahintersteht, übernimmt der Staat die Gehälter der Lehrkräfte.
Für alle anderen freien Schulen sieht die Realität bitter aus: Die Förderung beträgt aktuell jährlich lediglich rund 800 € pro Kind. Zum Vergleich: Ein Platz in einer öffentlichen Pflichtschule kostet den Steuerzahler im Durchschnitt über 12.000 € pro Jahr. Damit erhält ein Kind in einer freien Schule nicht einmal 7 % der Mittel, die im staatlichen System pro Kopf aufgewendet werden. Diese massive Unterfinanzierung zwingt freie Schulen dazu, die Kosten über Schulbeiträge der Eltern zu decken.
Das Ergebnis ist eine soziale Selektion, die wir nicht hinnehmen dürfen. Bildungsvielfalt darf kein Privileg für wohlhabende Familien oder religiöse Gemeinschaften sein. Eine faire Finanzierung für alle Schulen mit Öffentlichkeitsrecht ist keine Option, sondern dringend notwendig, um die verfassungsrechtlich garantierte Bildungsfreiheit endlich Realität werden zu lassen.
